BÖRSE ONLINE-GRAUMARKT-INFO: BAC zahlte an “GoMoPa” – “FREIWILLIG”

Gomopa

Kreativer Umgang mit Fakten

Von Renate Daum

Berlin, Brandenburger Tor© ddp
Berlin, Brandenburger Tor

Erstaunliches verbreitete der Finanznachrichtendienst Goldman, Morgenstern & Partners (Gomopa) mit Sitz in New York am 6. Oktober 2011. Anlegeranwalt Michael Minderjahn von der Kanzlei Nittel in Heidelberg, „der schärfste Kritiker“ des Emissionshauses BAC Berlin Atlantic Capital, stelle den Händlern mit US-Versicherungspolicen jetzt einen „Persilschein“ aus.

Die Kanzlei Nittel hatte zuvor berichtet, dass sie erste Klagen für BAC-Anleger gegen Banken wegen Falschberatung eingereicht habe. Weder die Kanzlei noch Minderjahn entlasteten jedoch die BAC-Geschäftsführung in irgendeiner Weise. „Die Schlussfolgerungen von Gomopa sind so nah an der Wahrheit wie seinerzeit der Schwarze Kanal“, sagt Minderjahn. Das war eine berüchtigte Propagandasendung im DDR-Fernsehen. Ausschnitte aus westdeutschen Beiträgen wurden dabei so gekürzt und montiert, dass ihr Sinn entstellt wurde.

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Selten war verzerrte Darstellung so offensichtlich

Minderjahn ist nicht das erste Opfer von Gomopas kreativem Umgang mit Fakten. Selten ist die verzerrte Darstellung aber so offensichtlich. So löste ein Bericht im Frühjahr 2010 einen Kurssturz bei der Aktie des Bezahldienstleisters  Wirecardaus. Die Vorwürfe erwiesen sich als falsch. Dennoch prahlte Gomopa-Chef Klaus Maurischat später gegenüber Teilhabern mit der Wirkung des Berichts.Für BAC legte sich Gomopa dagegen voller Wohlwollen ins Zeug. Probleme mit einer US-Bank schilderte der Dienst im Februar und März 2011 als Kampf eines Fonds-Davids gegen einen Geld-Goliath. Ab 26. August erschienen mehrere Artikel mit Anschuldigungen gegen den Ex-BAC-Finanzvorstand Oliver Schulz – kurz vor Gesellschafterversammlungen, die wegen der Krise der Fonds kontrovers zu werden versprachen.

Vereinbarung zwischen Gomopa und BAC

Dokumente, die der FTD vorliegen, werfen ein interessantes Licht auf die Verbindung von BAC und Gomopa. Ende März schickte die Gomopa-Zweigniederlassung Berlin eine Rechnung „persönlich/vertraulich“ an BAC-Gründer Stefan Beiten. Mit Verweis auf eine Vereinbarung mit BAC forderte sie 5950 Euro „für allgemeine Recherche- und Beratungsleistungen“. Im Sommer berechnete sie mit gleicher Begründung 11900 Euro, die bis 26. August bezahlt werden sollten.„Ja, in der Tat haben wir Gomopa für Beratungsleistungen in der Vergangenheit entgolten“, bestätigt ein BAC-Sprecher und schiebt eine umständlich formulierte Begründung nach: „Aufgrund der Kenntnis und Erfahrungen der Gomopa-Verantwortlichen im Bereich des Vertriebsmarkts für geschlossene Fonds nutzen wir Informationen zu aktuellen Marktentwicklungen, um uns auf eine gezielte Vertriebskommunikation vorzubereiten.“ Wegen „unserer deutlich verschlankten Mannschaft“ mache das „im Bereich PR und Recherche Sinn“.

Anwaltskanzlei Resch war wichtige Finanzierungsquelle

„Journalistische Unabhängigkeit ist oberstes Gebot“ von Gomopa, erklärt Maurischat. Dass die Redaktion Gründe für Recherchen oder Anfragen nicht offenlegen müsse, zähle dazu.Die Verbindung von Unternehmensberatung mit einem Nachrichtenportal sieht Gomopa nicht als Problem. Gründer Mark Vornkahl teilte im Herbst 2010 mit: „Ein Interessenkonflikt zwischen kostenpflichtiger Beratung, Informationsabonnement und öffentlicher Aufklärung ist uns seit Bestehen nicht untergekommen.“ Damals kam die Rechtsanwaltskanzlei Resch aus Berlin häufig positiv in Meldungen von Gomopa vor. Im Juli 2010 berichtete Maurischat seinen Teilhabern über eine Vereinbarung mit der Kanzlei Resch über „7500 Euro im Monat“ – rund 25 Prozent „unserer monatlichen Kosten!“. Die Kanzlei war damit zeitweise eine wichtige Finanzierungsquelle. Ihr Chef Jochen Resch sprach damals von einem „einmaligen Rechercheauftrag“, der „im üblichen Rahmen honoriert wird“.

BAC ließ falsches Zitat entfernen

„Zu keinem Zeitpunkt haben wir Gomopa beeinflusst“, betont auch der BAC-Sprecher. Das Emissionshaus stieß sich aber an Fehlern. Per E-Mail wünschte BAC-Gründer Nikolaus Weil kurz nach Erscheinen eines kritischen Berichts über Schulz Änderungen. Der Gomopa-Redakteur antwortete mit der modifizierten Stelle.Bei einem weiteren Artikel ließ BAC ein falsches Zitat von BAC-Chef Franz-Philippe Przybyl entfernen. Gomopa verschickte eine korrigierte Fassung. Einwandfrei war aber nicht einmal die: Behauptet wurde weiterhin, Schulz habe von seinem Ex-Arbeitgeber Vermögen erschlichen, was Schulz vehement von sich weist. BAC selbst hatte schon Monate zuvor eine Strafanzeige gegen ihn wegen Untreue zurückgenommen, weil sich herausgestellt habe, dass kein Schaden für BAC-Gesellschaften eingetreten sei. Die Staatsanwaltschaft stellte das Ermittlungsverfahren ein.Quelle: Financial Times Deutschland, 18.10.2011