Nach 25 Jahren wird Anti-Stasi-Behรถrde zaghaft entstasifiziert

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Gericht bestรคtigt Urteil Jahn-Behรถrde darf ehemaligen Stasi-Mitarbeiter versetzen

Der Chef der Stasi-Unterlagenbehรถrde Roland Jahn arbeitet daran, die ehemaligen Mitarbeiter des DDR-Geheimdienstes zu anderen staatlichen Stellen zu versetzen. Ein Wachmann hatte versucht, seine Abordnung zum Bundesverwaltungsamt gerichtlich zu verhindern – und ist damit nun in zweiter Instanz gescheitert. Das kรถnnte eine Tendenz aufzeigen fรผr weitere laufende Verfahren.

Die Versetzung eines Wachmannes der Stasi-Unterlagen-Behรถrde, der frรผher fรผr die DDR-Staatssicherheit gearbeitet hat, ist rechtmรครŸig. Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg bestรคtigte am Mittwoch ein Urteil des Arbeitsgerichts Berlin, das im Frรผhsommer einen Eilantrag auf einstweilige Verfรผgung gegen die Versetzung zum Bundesverwaltungsamt zurรผckgewiesen hatte. Der Wachmann hatte versucht, seine Abordnung zum Bundesverwaltungsamt zu verhindern.

Der Bundesbeauftragte fรผr die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, kรถnne sich bei seiner Entscheidung auf das sogenannte Direktionsrecht stรผtzen, urteilten die Richter. Es stehe Arbeitgebern gegenรผber ihren Beschรคftigten zu. Schรผtzenswerte Interessen des Klรคgers sah das Gericht nicht verletzt. Das Urteil kann laut einer Mitteilung des Gerichts nicht angefochten werden.

Noch 24 ehemalige Stasi-Angehรถrige in der Behรถrde

Der Wachmann hatte bestritten, dass die nachtrรคglich eingefรผgte Bestimmung im Stasi-Unterlagen-Gesetz, wonach Ex-Stasi-Mitarbeiter in andere Bundesbehรถrden versetzt werden kรถnnen, verfassungsgemรครŸ sei. Darauf komme es in diesem Fall aber nicht an, entschied das Gericht.

Der erste Leiter der Stasi-Unterlagen-Behรถrde, der heutige Bundesprรคsident Joachim Gauck, hatte nach der Wiedervereinigung ehemalige Mitarbeiter der Stasi eingestellt, um deren Kenntnis des DDR-Geheimdienstes nutzen zu kรถnnen. Sein Nach-Nachfolger Roland Jahn hatte bei seinem Amtsantritt als Bundesbeauftragter fรผr die Stasi-Unterlagen Anfang 2011 erklรคrt, es sei den Opfern nicht zuzumuten, in der Behรถrde auf ehemalige Stasi-Mitarbeiter zu treffen. Er kรผndigte an, alle frรผheren Stasi-Leute zu versetzen. Das daraufhin geรคnderte Stasi-Unterlagen-Gesetz wurde so geรคndert, dass dies auch gegen den Willen der Betroffenen mรถglich ist. Derzeit beschรคftigt die Behรถrde nach eigenen Angaben noch 24 ehemalige Stasi-Angehรถrige.

Tendenz fรผr รผbrige Klagen

Gegen die von Jahn gewรผnschte Versetzung in andere Bundesbehรถrden sind beim Berliner Arbeitsgericht mehrere Klagen von bei der Berliner Stasi-Unterlagen-Behรถrde beschรคftigten ehemaligen Stasi-Mitarbeitern anhรคngig. Mit dem aktuellen Urteil des Landesarbeitsgerichtes sei zwar in deren Fรคllen noch nichts entschieden, sagte eine Gerichtssprecherin der Nachrichtenagentur Evangelischer Pressedienst (epd). Die Entscheidung zeige aber eine Tendenz, wie das Landesarbeitsgericht als hรถhere Instanz die Lage einschรคtze.

QUELLE: RBB