Der Schriftsteller und ehemalige Geheimdienst-Mitarbeiter John le Carré hat sich in einem Interview der “Süddeutschen Zeitung” (Montagausgabe) teilweise positiv über den DDR-Staatssicherheitsdienst geäußert. “Moralisch gesehen war die Stasi einfach nur ekelhaft”, sagte der 79-jährige Brite, der mit bürgerlichem Namen David Cornwell heißt. “Aber ihre grenzüberschreitenden Operationen waren vorzüglich”, fügte er hinzu. “Dies übrigens nicht nur in Westdeutschland, sondern auch in Kuba, in Afrika. Die Staatssicherheit wurde vom sowjetischen KGB gelenkt, aber der KGB hat sie gehasst.” Le Carré kritisierte heutige fragwürdige Methoden von Geheimdiensten: “Heutzutage ist der widerwärtige Ausdruck ‘verschärfte Befragung’ in Gebrauch gekommen”, sagte er. Unlängst habe die Zeitung “Guardian” aufgedeckt, dass es eine Geheimdienststudie gebe zum Thema “In welchem Verhältnis steht der Schmerz, der Menschen zugefügt wird, zum Wahrheitsgehalt der Aufgaben, die solche Leute dann machen”. Der Autor sagte: “Ich finde das entsetzlich.” Zu seiner Zeit – er war bis 1964 im diplomatischen Dienst – wäre es ihm nicht in den Sinn gekommen, dass informelle Befragungen unter Folter durchgeführt werden könnten, sagte le Carré. “In meiner Welt war das so: Wir hielten uns für Superjournalisten, der Wahrhaftigkeit verpflichtet. Es war ein Schock für mich, als ich erfuhr, dass John Scarlett vom britischen Auslandsdienst MI6 sich dazu hergegeben hat, eine Krisensituation herbeizureden, dass er Tony Blair dabei geholfen hat, Großbritannien unter verlogenen Vorwänden in den Irak-Krieg zu treiben.”
