Das schäbige Gedenken an die Toten des 17. Juni

Der 17. Juni ist der Tag des Volksaufstandes von 1953; der Tag, an dem sich überall in der DDR die Menschen gegen das SED-Regime erhoben – und brutal niedergeschlagen wurden.

Allein im ehemaligen Bezirk Leipzig starben an jenem Tag neun Menschen. Doch wer ihnen Gedenken will, muss lange suchen. Während die alten Stasi-Chefs in 1A-Lage auf dem Ehrenhain des Südfriedhofs Seite an Seite mit den Opfern des Faschismus liegen, sind die Toten des 17. Juni im hintersten Winkel kaum noch zu finden.

Dieter Teich, geb. 1934, war Erdarbeiter bei der LVB. Er demonstrierte vor der U-Haft der Stasi in der Beethovenstraße. Erschossen am 17. Juni 1953 von Sowjetsoldaten

 

Paul Ochsenbauer, geb. 1937. Der Lehrling starb am 17. Juni 1953 mit nur 15 Jahren angeblich nach einem Unfall. Erst 1989 kam raus, dass auch er erschossen wurde

Fotos: LitVerlag Münster 2004

„Es ist mehr als überfällig, so lange nach der Wende die Geschichte wieder gerade zu rücken“, sagt Ex-Stadtrat Roland Mey (74), der sich sich seit 1992 bereits versucht für das Thema stark zu machen – mit mäßigem Erfolg. „Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass mit unseren Steuergeldern die Grabstätten von Ex-Stasichefs gepflegt werden, obwohl die Verantwortung der Stadt längst abgelaufen ist.“

 Südfriedhof Leipzig Platte für Felix Müller (Leipziger Stasi-Chef vom 1950-52) auf dem ehemaligen Ehrenhain
Eine Platte für Felix Müller (Leipziger Stasi-Chef vom 1950-52) auf dem ehemaligen Ehrenhain
Foto: Anika Dollmeyer

Und Tobias Hollitzer (50) vom Stasimuseum in der Runden Ecken sagt: „Es ist absolut unangemessen, wie das Problem ausgesessen wird. Gerade in der Stadt der Friedlichen Revolution muss es einen würdigen Gedenkortes für die Toten des 17. Juni geben!“

Im Grünflächenamt schient das nun endlich angekommen zu sein. Für die „Umgestaltung der Genkanlage des Volksaufstandes“ liege bereits eine Entwurfsplanung vor. Zum sozialistischen Ehrenhain heißt es auf BILD-Anfrage: „In der Zukunft wird eine Entscheidung zum weiteren Umgang mit den Gräbern zu treffen sein.“

Vergrößern Denkmal Gedenkstein für die Opfer der Gewaltherrschaft und des 17. Juni
Den Opfern der Gewaltherrschaft und des 17. Juni
Foto: Anika Dollmeyer

Der Wunsch von Hollitzer und Mey: „Die Anlage für Opfer des 17. Juni muss in eine präsentere Lage, vielleicht auf die freie Fläche neben dem Ehrenhain. Und die SED-Fürsten dürfen nicht länger zusammen mit den Opfern das Faschismus geehrt werden.“

Die Gedenkveranstaltung für die Opfer des DDR-Volksaufstandes findet übrigens heute 16 Uhr an der Straße des 17. Juni statt.

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