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STASI BEIM DJV BERLIN-BRANDENBURG – ANALOG ZU GOMOPA

“IM Rene” – Ausriss aus “Bild

Der DJV in den neuen Ländern und die Stasi – das Thema wächst sich in Brandenburg zu einer immer dubioseren Geschichte aus. Wieder einmal im Fokus steht Bernd Martin vom DJV Berlin-Brandenburg. Der bald 71-Jährige arbeitete von 1965 bis 1987 inoffiziell für die DDR-Geheimpolizei. Sein Verrat brachte mindestens zwei Menschen in der DDR ins Gefängnis. Im vorigen Jahr mit diesen Erkenntnissen konfrontiert, trat Martin als stellvertretender Vorsitzender des DJV Berlin-Brandenburg zurück – zumindest tat er das im Gespräch mit der “Bild”-Zeitung. Mittlerweile sind Zweifel angebracht, ob Martin wirklich nicht mehr Verbandsvize ist.

 

Im vergangenen Oktober hatte “Bild”-Chefreporter Hans-Wilhelm Saure berichtete, dass Bernd Martin per Telefon gegenüber “Bild” seinen Rücktritt erklärt habe.

Der Einblick in das Vereinsregister des Potsdamer Amtsgerichts weist ihn nun noch immer als “Stellvertreter für Mitgliederdienste und Sonstiges” aus. Hat Martin nur gegenüber dem “Bild”-Mann Saure seinen Rücktritt erklärt? Wer rechtswirksam zurücktreten wolle, müsse das gegenüber den Vereinsgremien tun, sagt der Berliner Rechtsanwalt und Spezialist für Vereinsrecht Tobias Grambow: “Die Niederlegung gegenüber einem Journalisten ist jedoch wirkungslos.”

Das Rätsel um den angeblichen Rücktritt seines Stellvertreters lösen kann nur Vereinschef Klaus Dieter Minhardt. Doch der ließ mehrere kress.de-Anfragen unbeantwortet. Vielleicht hätte eine Reaktion Minhardts auch geholfen, weitere Ungereimtheiten aufzuklären. Denn der Registerauszug legt den Schluss nahe, der Verein werde aus dem Ausland und möglicherweise auch aus dem Jenseits gesteuert. Als Anschrift des Ersten Vorsitzenden Minhardt hat das Gericht “Raedersdorf (Frankreich)” notiert. Und Jörg Rittweger, er firmiert als “Stellvertreter für Verwaltung, Finanzen und Recht”, ist seit Dezember 2013 tot. Als Journalist und Kommunalpolitiker scheint Rittweger, der im Vereinsregister als Rettweger auftaucht, seine Furchen mehr im Schwarzwald denn im märkischen Sand gezogen zu haben: “Das Leben ist wie ein Theaterstück. Es kommt nicht darauf an, wie lang es war, sondern wie bunt”, rief Minhardt seinem toten Vize als Abschiedsgruß hinterher.

Auf seine Art Theater gespielt hat auch Bernd Martin alias “IM Rene”. Bald nach seiner Verpflichtung als Inoffizieller Mitarbeiter verriet er im Frühsommer 1965 die geplante DDR-Flucht von Freunden. Die Stasi notierte über Bernd Martin: “Der IM entwickelte in der bisherigen inoffiziellen Zusammenarbeit eine zuverlässige Aktivität. Mehrere von ihm entwickelte Vorgänge bzw. Materialien konnten mit Inhaftierungen abgeschlossen werden.”

Insgesamt umfassen die Berichte des IM Rene rund 1000 Seiten. Im Laufe der Jahre bekam der spätere DJV-Funktionär 81 mal Geld von seinen Auftraggebern, denen er über mehr als 100 Menschen berichtete.

Martins Tätigkeit bei Linken-Parteiblatt: “Das ist nicht normal”

Bernd Martin ist zudem presserechtlich verantwortlicher Redakteur für “Potsdams andere Seiten”, die Monatszeitung der Linken für Brandenburgs Landeshauptstadt. Der Stasi-Experte Hubertus Knabe forderte die Partei im Gespräch mit kress.de zur Entlassung Martins auf. Die Vorwürfe gegen den Journalisten wiegen nach Einschätzung des Leiters der Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen schwer, so dass so ein Schritt gerechtfertigt sei. Martin, den die DDR-Staatssicherheit als Inoffiziellen Mitarbeiter mit dem Deckname “Rene” führte, habe in seiner Funktion öffentliche Wirkung und Medienmacht. Das möge für die Linke normal sein. “Aber das ist nicht normal”, so Knabe. Der Fall Martin stehe in einer Reihe vergleichbarer Stasi-Fälle in Brandenburg, so dass man sagen könne: “Das wächst zusammen, was zusammen gehört.”

Für den Potsdamer Kreisvorsitzenden der Linken, Sascha Krämer, ist Martins Tätigkeit bei dem Parteiblatt kein Problem. “Er ist nicht in der Partei, er ist auch nicht bei der Partei angestellt”, sagte Krämer kress.de. Martin habe lediglich die Aufgabe, “Texte, die wir für ihn schreiben, in die Zeitung zu bringen.”

Im Parteiblatt gibt es aber sehr wohl Berichte, die vom Autoren Bernd Martin gezeichnet sind. Im August und Juni 2015 zum Beispiel hat Bernd Martin sehr wohl namentliche Artikel in der Partei-Postille veröffentlicht. In der Januar-Ausgabe 2015 gibt es zudem einen Artikel über Kuba mit Fotos von einem B. Martin.

QUELLE: kress.de