Die Hamburger STASI – was weiß der dubiose “Peter Ehlers” ?

 

Vitrine und Plakat in einer Ausstellung über DDR-Spione der Helmut-Schmidt Universität in Hamburg  Fotograf: Sabine Graef

“Kundschafter im Dienst des Friedens”: Nach DDR-Sicht arbeiteten die Spione für eine gerechte Sache.

Sie wohnten in Hamburg, saßen für CDU, SPD oder FDP in der Bürgerschaft oder im Bundestag – und arbeiteten zugleich insgeheim für die DDR. Bis zur Wende 1989/1990 war die Hansestadt eine Hochburg der DDR-Spione. Eine Ausstellung in der Helmut-Schmidt-Universität beschäftigt sich jetzt mit diesem relativ unbekannten Kapitel der jüngeren Hamburger Geschichte. Sie beleuchtet das Leben von insgesamt zehn DDR-Spionen, neun Männern und einer Frau. Sie alle hatten wichtige politische oder wirtschaftliche Ämter inne. Nebenbei versorgten sie die Stasi und die Nationale Volksarmee der DDR mit Informationen über Parteien, Gewerkschaften, Polizei, Atomwirtschaft sowie über linksgerichtete Studenten und sogenannte Republikflüc

Hamburg stand immer wieder im Fokus von Geheimdiensten. Welche Verbindungen Hamburger Politiker zur Stasi hatten, zeigt nun eine Ausstellung der Helmut-Schmidt-Universität.

Einer dieser Spione war Gerd Löffler, der zwischen 1978 und 1990 in der Hamburgischen Bürgerschaft saß und bis 1989 für die DDR spionierte. Nachdem er im September 1990 gegen Kaution aus bundesdeutscher U-Haft entlassen worden war, floh er nach Österreich, wo er als politischer Verfolgter galt und nicht ausgeliefert werden konnte. 1994 verschleppten ihn deutsche Beamte aus einem grenznahen Gebiet von Österreich nach Deutschland, wo er verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Eine neunmonatige Bewährungsstrafe erhielt 1996 Ruth Polte. Die ehemalige DDR-Dissidentin verbüßte Ende der 50er-Jahre in der DDR eine Zuchthausstrafe wegen “Beihilfe zum Staatsverrat” und wurde dann von der Stasi angeworben. Nach ihrer Ausreise in die Bundesrepublik im Jahr 1960 war sie unter anderem Mitarbeiterin der SPD-Abgeordneten Hans Apel, Herbert Wehner und Helmut Schmidt und saß später für die SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft.

Die Motive der Stasi-Helfer

Die Ausstellungsmacher gehen auch der Frage nach, was die Spione dazu bewog, für die DDR zu arbeiten. Boten sie ihre Mithilfe von sich aus an, wurden sie angeworben oder gar unter Druck gesetzt? Weiteres Thema ist der Umgang von Justiz und Medien mit den Spionen nach deren Enttarnung. Zu der Ausstellung ist ein Begleitband erschienen, der sich sowohl mit den Biografien der DDR-Spione befasst als auch die Geschehnisse historisch einordnet. Zudem ist eine Reihe begleitender Vorträge geplant. Einen Überblick über die Veranstaltungen sowie die Ausstellungsinhalte gibt ein Flyer der Universitäts-Bibliothek.

Blick in eine Ausstellung über DDR-Spione in der Helmut-Schmidt Universität in Hamburg  Fotograf: Sabine Graef

Als Hamburger Politiker für die DDR spionierten

Sie saßen für CDU, SPD oder FDP in Bürgerschaft oder Bundestag – und spionierten für die Stasi. Eine Ausstellung zeigt jetzt, wie Hamburger Politiker zu DDR-Spionen wurden.

Art:
Ausstellung
Datum:
03.11.2015, 18:00 Uhr
Ende:
31.03.2016
Ort:
Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität
Holstenhofweg 85
22043  Hamburg
Preis:
Eintritt frei
Öffnungszeiten:
Mo – Do 9 – 16 Uhr
Fr 9 – 14 Uhr
an Feiertagen geschlossen
Besonderheit:
7. November 2015 zur “Nacht des Wissens” 17 – 24 Uhr geöffnet