KGB /STASI Today – Aufdecker mit seltenem Pflanzengift getötet

Sergej Magnitski, Alexander Litwinenko, KGB, Giftmord, Großbritannien, USA, Russland

Als der russische Banker Alexander Perepilitschny vor seinem Haus im britischen Weybridge zusammenbrach und starb, war er erst 44 Jahre alt und galt als gesund. Das war 2012. Perepilitschny war damals der wichtigste Zeuge in einem millionenschweren Steuerskandal in Russland. Die genaue Todesursache konnte nie festgestellt werden – bis jetzt. Eine britische Expertin kommt zu dem Ergebnis, dass Perepilitschny möglicherweise mit einem seltenen Gift ermordet wurde.

DieLondonerPflanzengiftexpertin Monique Simmonds habe eine verdächtige Substanz im Magen des Toten gefunden, berichtet der„Independent“, der sich auf eine gerichtliche Anhörung beruft. Die Substanz komme in der Natur „extrem selten“ vor – genauer gesagt nur in der hochgiftigen Pflanze Gelsemium. Die giftigste Art, Gelsemium elegans, wächst einerStudiezufolge vor allem in Südostasien.

Perepilitschny war der wichtigste Zeuge im „Fall Magnitski“, einem russisch-amerikanischen Steuerskandal. Auf die Spur des Skandals kam der Russe Sergej Magnitski, der als Wirtschaftsprüfer für die US-Firma „Hermitage Capital“ arbeitete. Sein Vorwurf: Eine Gruppe von russischen Steuerbeamten, Investmentbankern, Polizisten und Kriminellen habe „Hermitage Capital“ umgerechnet rund 200 Millionen Euro Steuerzahlungen gestohlen und das Geld in der Schweiz gewaschen.

Allerdings wanderten nicht die mutmaßlichen Steuerdiebe ins Gefängnis, sondern Magnitski selbst. 2009 starb er schwer krank in Untersuchungshaft, möglicherweise an den Schlägen seiner Wärter. Das vermutete zumindest dasMenschenrechtskomiteedes russischen Präsidenten.

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Der Wirtschaftsprüfer Sergej Magnitski starb in Untersuchungshaft

Perepilitschny kooperierte mit der Schweizer Staatsanwaltschaft – dann starb er

In diesem Fall verfügte der vermutlich vergiftete Alexander Perepilitschny über Insiderwissen. Kunden des Bankers – Moskauer Geschäftsleute mit Verbindungen in die Unterwelt – waren selbst in den Steuerklau verwickelt. Zumindest behauptete Perepilitschny das vor einem russischen Gericht. Dann wurde es ihm in Russland zu gefährlich: 2009 bat er „BBC Russia“ zufolge in Großbritannien um Asyl, die Dokumente zum „Fall Magnitski“ nahm er mit.

Perepilitschnys Dokumente hätten eine staatsanwaltschaftliche Untersuchung in der Schweiz möglich gemacht, sagte „Hermitage Capital“-Chef Bill Browder derBBC. Und tatsächlich hatte Perepilitschny kurz vor seinem Tod begonnen, intensiv mit den Schweizer Ermittlern zusammenzuarbeiten, wie BBC weiter schreibt.

Gibt es einen Zusammenhang zum Giftmord an Litwinenko?

„Hermitage Capital“-Chef Browder äußerte daher schon kurz nach Perepilitschnys Tod 2012 den Verdacht, dass der wichtige Zeuge nicht zufällig gestorben war. Es sei noch nicht klar, wer Perepilitschny vergiftet habe, sagte Browder dem US-Magazin „Vice“. „Aber ich würde die Schuld beim russischen organisierten Verbrechen mit sehr engen Verbindungen zur russischen Regierung suchen.“

Es gibt noch eine andere Theorie: Recherchen des „Daily Telegraph“ legten bereits im Jahr 2012 nahe, dass es eine Verbindung zum Fall Alexander Litwinenko gibt. Der frühere KGB-Agent war 2006 mit Polonium vergiftet worden, nachdem er sich mit dem Kreml überworfen hatte und nach Großbritannien ausgewandert war. Litwinenko hatte zuvor immer wieder schwere Vorwürfe gegen Russlands Präsidenten Putin erhoben – zum Beispiel, dass Putin für den Mord an der kritischen Journalistin Anna Politkowskaja verantwortlich sei.

QUELLEN: EIGENE RECHERCHE/BBC/DAILY