Wie bei “GoMoPa”: Wie die STASI Karel Gott erledigen wollte

Bespitzelt, verhört, sexuelle Vorlieben ausgeplaudert-

Die Stasi-Akte Karel Gott

 Bespitzelt und verhört: Die Stasi-Akte Karel Gott

Gott Anfang der 70er Jahre am Rhein bei Mainz

Prag – Als er im Westen bleiben wollte, schaltete sich sogar Sowjet-Diktator Breschnew ein!

BILD berichtete über den Fluchtplan von Schlager-Star Karel Gott (74). Jetzt liegt die Akte der tschechischen Geheimpolizei Státní bezpečnost (StB) vor.

Ein umfangreiches Dossier unter der Vorgangsnummer 0138/71; allein die Akte aus Gotts „Fluchtjahr“ 1971 ist über 150 Seiten stark! Detailliert wird aufgelistet, wie die Staatssicherheit der CSSR mit dem Abgang ihres prominenten Künstlers umging.

Vergrößern Das Deckblatt der tschechischen Stasi-Akte von Karel Gott
Das Deckblatt der tschechischen Stasi-Akte von Karel Gott

Der erste Eintrag: „Seit dem 1. Juli 1971 hält sich Karel Gott ohne Genehmigung im Ausland auf.“ Für eine BRD-Tournee hatte er bis zum 30. Juni 1971 ein Visum. Danach sollte er zurück nach Prag kommen. Doch Gott bleibt im Westen.

Am 3. August 1971 durchwühlen Stasi-Agenten das Haus des Stars. Im StB-Protokoll ist vermerkt, dass alle Platten und Tonbänder mitgenommen wurden. Einen Tag später wird Karels Mutter Marie Gottova verhört: sie teilt der Geheimpolizei mit, dass ihr Sohn in einem Hotel in München wohnt.

Auch Konzertveranstalter Jiri Szanta wird vorgeladen. „Ich weiß nichts von Fluchtplänen des Karel Gott“, gibt der zu Protokoll. Doch sein Mitarbeiter Miloslav Hajek vermutet: „Gott blieb in Westen, weil seine Lieder in der ČSSR wenig gespielt werden und er andauernd wegen seiner langen Haare kritisiert wird.“

 Karel Gott
Der tschechische Sänger Karel Gott mit dem ihm verliehenen sowjetischen Orden für Freundschaft unter Nationen

In der Bundesrepublik kleben die Spitzel des StB bereits an Gotts Fersen, melden: „Er ist am 10. August nach Hamburg gefahren, hat von dort mit seinem Vater telefoniert. Inhalt unbekannt.“ Außerdem berichten sie über ein Interview des Künstlers mit dem „Münchner Merkur“ am 26. August 1971, in dem er sagt, das er in der BRD bleiben will.

Und selbst Karel Gotts Psychiater Dr. Zdenko D. arbeitet der Tschechen-Stasi zu. Er berichtet über das Sexualleben des Sängers. Und dass er Schwierigkeiten habe, Entscheidungen zu treffen: Gott lasse sich sehr einfach beeinflussen.

Wie Recht er hat! Nur wenige Wochen später kehr der Sänger nach Prag zurück. Weil Breschnew Druck bei der tschechische Staatsführung gemacht hat („So einen darf man nicht gehen lassen!“), die CSSR Gott daraufhin alle Freiheiten zugesteht.

Bespitzelt wird er trotzdem weiter. Die „Akte Gott“ endet erst 1989.