Honeckers STASI-Bodyguard: Das “Attentat” auf Erich Honecker enthüllt

 

Die Schießerei von Klosterfelde ist in der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik einzigartig. So nah wie Paul Eßling an diesem kalten Dezembertag gelangte nie zuvor und niemals danach ein normaler DDR-Bürger mit einer Waffe an den ansonsten so streng abgeschotteten Staats- und SED-Parteichef Erich Honecker. Der Vorfall vom 31. Dezember 1982 wurde zwei Wochen später vom Magazin „Stern“ aufgegriffen und geistert seither als einziger bekannter Anschlag auf das Leben Erich Honeckers durch die Medien.

„Das ist Unsinn“, blickt Bernd Brückner auf den Silvestertag 1982 zurück. Der einstige Stasi-Major war als Personenschützer 13 Jahre lang „An Honeckers Seite“, wie sein nun erschienenes Erinnerungsbuch heißt. Darin schildert der heute 65-Jährige das vermeintliche Attentat im Grunde genommen als einen einfachen Verkehrszwischenfall – mit jedoch tödlichem Ausgang.

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dpa Bernd Brückner, ehemaliger Leibwächter Honeckers.

Brückner zufolge geriet der 42-jährige Ofensetzer Eßling mit seinem Lada 1300 an diesem Nachmittag bei Klosterfelde rein zufällig in den Autokonvoi und nahm Honecker aus einer Seitenstraße kommend die Vorfahrt. Der Citroën mit dem Staats- und Parteichef an Bord („Die Franzosen hatten ihm eine ‚Zitrone‘ geschenkt, und Honecker gefiel das Fahrzeug insbesondere wegen der weichen Polsterung“) hätte aber nur kurz gebremst, und seine Fahrt ziemlich zügig fortgesetzt. „Er fuhr wie geplant in die Schorfheide und ging jagen“, schreibt Brückner. Von dem, was hinter seinem Rücken geschah, hätte Honecker nichts mitbekommen.

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Artcurial Motorcars Erich Honeckers 1989er Citroën CX Prestige Rallongée Turbo II

„Schüsse auf den Repräsentanten“

Denn als ein Volkspolizist die Papiere des Lada-Fahrers kontrollieren will, schießt Eßling „unerwartet auf den Volkspolizisten, der sich ihm näherte, und traf diesen in der Brust. Sein Kollege feuerte zurück, die Kugeln blieben in der Autotür stecken. Daraufhin setzte sich Eßling die Pistole an den Kopf und drückte ab“. Ein „Attentat“ auf Honecker habe Eßling nicht geplant, ist sich Brückner sicher und fügt hinzu: „Er wusste vermutlich nicht einmal, wem er da auf der Fernverkehrsstraße 109 die Vorfahrt nahm.“

Dennoch rüttelte der Vorfall vor allem das Ministerium für Staatssicherheit ordentlich durcheinander. Denn Eßling war mit 2,5 Promille nicht nur stark betrunken, sondern überdies ein Waffennarr, der zehn Schusswaffen und hatte rund Tausend Patronen besaß. „Bis dato war ein solcher Anschlag nicht einmal in Erwägung gezogen worden, weil wir davon ausgingen, dass es in der DDR keine illegalen Waffen gab“, erinnert sich Brückner. Stasi-Chef Erich Mielke habe immer geglaubt, sein Ministerium habe alles im Griff. „Hatte es erkennbar nicht“, so Brückners süffisant klingender Kommentar.