DER GoMoPa-STASI-STIL IM INTERNET NUN AUCH BEIM BRITISCHEN GEHEIMDIENST

Neue Dokumente aus dem Fundus von US-Whistleblower Edward Snowden zeigen Methoden der westlichen Geheimdienste zu verdeckten Onlineaktionen gegen Personen, Gruppen und Unternehmen. Eine Präsentation des britischen GCHQ trägt den Titel “Die Kunst der Täuschung” und will “Cyber-Zauberer” ausbilden. Andere Dokumente beschreiben, wie Personen oder Unternehmen mit falschen Angaben gezielt diskreditiert werden können. Der amerikanische Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald veröffentlichte das Material in seinem neuen Portal The Intercept. Aktivisten wie Jacob Appelbaum und Frank Rieger verwiesen über Twitter unter anderem unter Hastags wie #stasi, #zersetzung und #Mfs auf frappierende Parallelen zu einer entsprechenden Richtlinie der Stasi aus dem Jahr 1976.

Hinter den Konzepten steht eine neu gebildete Einheit des GCHQ, die Joint Threat Research Intelligence Group (JTRIG). Diese führte auch DDoS-Angriffe gegen Aktivisten von Anonymous aus. Nach Darstellung Greenwalds richten sich die Infiltrationstechniken nicht gegen normale Spionageziele wie feindliche Staaten und deren Führer, sondern anstelle strafrechtlicher Ermittlungen gegen verdächtige Hacktivisten, die weder angeklagt noch verurteilt seien. Ein Dokument trägt die Überschrift: “Neue Möglichkeiten und Aktionen gegen Hacktivismus eröffnen.”

 

Gezielte Rufschädigung

Die Methoden der Rufschädigung sind rabiat: So soll über soziale Netzwerke das Vertrauen von Zielpersonen erschlichen werden, um sich dann auf einem Blog als Opfer dieser Personen darstellen zu können. Der Familie sowie Freunden und Bekannten sollen E-Mails oder SMS geschrieben werden. Um Unternehmen zu diskreditieren, sollen vertrauliche Informationen an die Presse weitergegeben werden. Auf einschlägigen Foren soll negativ über die Firma berichtet werden. Darüber hinaus sollen Geschäfte beendet und Geschäftsbeziehungen ruiniert werden. In der erwähnten Richtlinie der Stasi wurden vergleichbare “bewährte Formen der Zersetzung” genannt: “systematische Diskreditierung des öffentlichen Rufes, des Ansehens und des Prestiges auf der Grundlage miteinander verbundener wahrer, überprüfbarer und diskreditierender sowie unwahrer, glaubhafter, nicht widerlegbarer und damit ebenfalls diskreditierender Angaben; systematische Organisierung beruflicher und gesellschaftlicher Mißerfolge zur Untergrabung des Selbstvertrauens einzelner Personen”.

Die Geheimdienste bedienen sich dabei auch Erkenntnissen aus Psychologie und Sozialwissenschaften, um Aktivistengruppen nicht nur zu verstehen, sondern auch um sie zu kontrollieren. Eine “Humanwissenschaftliche Operationszelle” soll sich dabei “Strategischer Beeinflussung und Störungen” widmen. Einzelne Dokumente tragen dabei Titel wie “Die psychologischen Bausteine der Täuschung” oder die “Zehn Prinzipien der Beeinflussung”. Die Präsentation beschreibt zudem die “Feststellung und Ausnutzung von Bruchstellen” in Gruppen. Als Methoden der Störung sind dabei sieben Operationen genannt, darunter “Falsche Flagge”, “Falsche Rettung”, Infiltration und List.

Das GCHQ wollte auf Anfrage Greenwalds keine Stellung zu den Dokumenten nehmen. Der Nachrichtendienst gab die Standardantwort, wonach keine geheimdienstlichen Themen kommentiert würden. Zudem erfolge jede Tätigkeit “in einem strikten rechtlichen und polizeilichen Rahmen, der garantiere, dass die Aktivitäten autorisiert, notwendig und angemessen sind”. Ob und in welchem Umfang die Methoden tatsächlich angewandt wurden, bleibt offen.

 

Die Dokumente sind hier:

 

https://firstlook.org/theintercept/document/2014/02/24/art-deception-training-new-generation-online-covert-operations/

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